Opfer und Betroffene


 An die Opfer und Betroffenen sexuellen Missbrauchs 
durch Angehörige der katholischen Kirche!


  1. Es erfordert großen Mut, sich selbst einzugestehen, sexuell missbraucht worden zu sein.                        
  2. Das Leid, das uns widerfahren ist, die Grausamkeit und die Qualen, die wir am eigenen Leib erfahren mussten sowie die Auswirkungen der Tat an sich auf unser weiteres Leben kann niemand aus der katholischen Kirche nachempfinden.   Ebenso wenig wird die katholische Kirche nachempfinden können, wie sehr die Tat das Leben unserer Angehörigen, unserer Partnerschaften und der Menschen, die uns begleitet haben, beeinflusst haben.
  3. Es gibt mehr Opfer sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Angehörige, als Sie sich vorstellen.
  4. Es kommt außergewöhnlich selten vor – wenn überhaupt - dass der Täter sich „nur“ an einem Kind vergangen hat.
  5. Denken Sie zuerst an sich selbst – und daran, was Ihnen gut tut. Es gibt inzwischen  viele Möglichkeiten,  sowohl Selbsthilfe-Gruppen  als auch Betroffene zu kontaktieren. 
  6. Viele Betroffenen haben sich hilfe-, beratungs-, oder heilungssuchend an die Kirche gewandt. Die Erfahrung lehrte uns jedoch, dass die Kirche Täterschutz betreibt.  Vertrauliche Informationen wurden  - statt an die Staatsanwaltschaft – an die Täter weitergeben.  Zahlreiche Betroffene mussten erleben, wie sie aufgrund der Vorgehensweise der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch in den eigenen Reihen retraumatisiert wurden.  Hinzu kommt, dass bis heute nicht transparent gemacht wurde, nach welchen Kriterien eine evt. Anerkennung des erlittenen Leids in finanzieller Hinsicht erfolgt. 
  7. Den meisten Betroffenen geht es nicht um eine finanzielle Anerkennung, sondern um die Gewissheit, dass ihr Täter nicht erneut die Möglichkeit hat, Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu haben.  Die meisten Betroffenen wollen andere vor ihrem eigenen Schicksal, dass sie durch Angehörige der katholischen Kirche erfahren mussten, bewahren. Jede Kinderseele, die wir vor einem weiteren Seelenmord bewahren können, zählt!
  8. Sollten Sie Kontakt zu Ihrem Bistum suchen, tun Sie dies bitte entweder nur schriftlich oder  - im Falle einer persönlichen Konfrontation – nur zu zweit! Denken Sie an sich und schützen Sie sich! Sie haben das Recht, das Protokoll eines solchen Treffens einzusehen und es in Ihrem Sinne zu korrigieren.
  9. Pochen Sie auf Ihre Rechte! Ihrem Bistum müssten – bei ordnungsgemäßer Aktenführung – mehr Informationen und Details über Ihren Täter vorliegen, als Ihnen selbst.  Nicht nur Gerichte bemängeln inzwischen, dass  Personalakten der Täter bereinigt wurden.   Ihr Bistum könnte versuchen, eine Anklage des Täters so lange hinauszuzögern, bis eine strafrechtliche Verjährung eingetreten ist.  Fragen Sie bei Ihrem Bistum nach, ob neben einem strafrechtlichen Verfahren auch ein kirchenrechtliches Verfahren aufgenommen wurde!
  10. Viele Betroffene haben aufgrund ihrer Missbrauchserfahrungen sowohl körperliche als auch seelische Symptome entwickelt. Die meisten von uns haben einen Weg gefunden zu überleben. Irgendwie. – Einige von uns haben sich aber auch aufgrund Ihrer Missbrauchserfahrungen für den Freitod entschieden,  da sie keinen anderen Ausweg mehr wussten. – Missbrauchserfahrungen können  zu folgenden Problemen führen: Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Essstörungen, Co-Abhängigkeit, Promiskuität, selbstverletztendes Verhalten, Loslösung von Intimität, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, Medikamenten-Abusus, unzählige körperliche Symptomen.  Nehmen Sie sich Hilfe – in jedweder Form. Lernen Sie, die Bewältigungsmechanismen, die wir in der Vergangenheit zum Überleben brauchten, zu korrigieren.
  11. Die Auseinandersetzung und Konfrontation mit dieser Thematik fordert enorme Energie und kann Emotionen freisetzen. Dies kann mehrere Monate dauern. Nehmen Sie sich Auszeiten, in denen Sie Ihren Schmerz zulassen.   Tun Sie anschließend sowohl ihrem Körper wie auch Ihrem Geist und Ihrer Psyche etwas Gutes! Vertrauen Sie sowohl Ihrem Instinkt als auch sich selbst!
  12. Jeder Mensch ist einzigartig – auch Sie! Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, wenn es um Ihren persönlichen Heilungsprozess geht. 
  13. Wir  sind Opfer! – Der Missbrauch an uns war nicht unsere Schuld – gleich, was wir damals taten oder nicht taten.  Die Angehörigen der katholischen Kirche, die den Seelenmord an uns begangen haben sind verantwortlich für ihre Taten. Für uns stellten sie damals Autoritätspersonen dar, wir vertrauten ihnen und – wir glaubten ihnen. Obwohl wir spürten, dass das, was mit uns geschieht, „falsch“ war, waren wir weder seelisch noch körperlich dazu in der Lage, uns dagegen zu wehren! Machen Sie sich keine Vorwürfe und zweifeln Sie nicht an sich selbst!
  14. Schweigen Sie nicht länger!