Montag, 8. April 2013

Österreich: "Die Debatte eskaliert"





WIEN. (hpd) Die Debatte um Kirchenprivilegien in Österreich beginnt zu eskalieren. Aus der katholisch-theologischen Fakultät in Graz werden Unterstützer des Volksbegehrens mit Nazis verglichen. Gegner des Volksbegehrens schrecken offenbar auch vor Gewalt nicht mehr zurück. Unbekannte haben den Kardinalschlitten von Jacques Tilly in Wien schwer beschädigt.

Es muss ein geplanter Anschlag gewesen sein. Die Unbekannten brachten Werkzeug mit und machten sich die Mühe, auf die bekannte Skulptur des deutschen Künstlers Jacques Tilly zu klettern. Sie beschädigten das Gesicht des Kardinals schwer. „So einfach mit bloßen Händen geht das nicht, da würde man sich die Hände blutig reißen“, schildert Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt.

Er ist einer der Initiatoren des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien. „Ein Betrunkener hätte auch eher das unten befindliche Weihrauchfass heruntergerissen, das war aber vollkommen in Ordnung. Es ist jemand auf den Wagen gestiegen und hat mit einer Hacke oder ähnlichem auf den Kopf eingeschlagen“.

Bundesamt für Verfassungsschutz ermittelt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat Ermittlungen aufgenommen. Zumindest die Initiatoren des Volksbegehrens schließen nicht aus, dass die Angreifer politische Motive hatten. Bevor der Kardinalschlitten repariert wird, wird er am Wochenende im beschädigten Zustand durch Wien fahren. „Er soll ein mobiles Mahnmal dafür sein, dass demokratische Rechte von der Zivilgesellschaft unbedingt – auch gegen fundamentalistische oder hochprivilegierte Gruppen – verteidigt werden müssen”, sagt Rothwangl.