Samstag, 20. Januar 2018

Bistum Münster / Kleve: Bischof Genn legte Klever Pfarrer nahe, um Entpflichtung zu bitten - Bistum Münster wollte offiziellen Grund verschweigen - Bistum selbst formulierte Abschiedsbrief an Gemeinde - Strafanzeige gestellt

Zunächst, so die Schilderung der Eltern des Jungen, wollte das Bistum als offiziellen Grund für den plötzlichen Rücktritt ein Burn-out-Syndrom des Geistlichen angeben. Erst nachdem die Eltern des Jugendlichen energisch gegen eine solche Darstellung protestiert hatten, habe sich die Diözese - mit Zustimmung von Bischof Felix Genn - für die nebulöse Formulierung "unangemessenes Kommunikationsverhalten" entschieden. - Das Bistum hatte daraufhin den Abschiedsbrief an die Gemeinde formuliert. "Aber das ist nichts Besonderes, das ist der übliche Weg", sagt der Geistliche. Wie der Klever Oberstaatsanwalt Günter Neifer auf Anfrage "rp-online.de"  bestätigte, ist in dem Fall eine Strafanzeige eingegangen, die derzeit geprüft werde.

Zunächst sind es nur Komplimente, dann schreibt der Pfarrer irgendwann per Whatsapp auch über seine Gefühle. Der Junge sei der wichtigste Mensch in seinem Leben, er solle ihn nicht verlassen. Er habe ihn nämlich "unendlich doll lieb!".  Wie nah der Pfarrer dem Minderjährigen war, lässt sich an Zahlen erkennen: Der Ausdruck des Chatverlaufs (liegt der Redaktion komplett vor) umfasst mehr als 3000 Din-A4-Seiten.

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  • Das Bistum Münster hat am Samstag  innerhalb weniger Stunden auf diese Berichterstattung reagiert und Stellung bezogen. 
  • Auf diese Stellungnahme des Bistums wiederum reagierte die "nrz".

Bistum Regensburg: 75 Anträge auf "Anerkennung erlittener körperlicher Gewalt" im vergangenen Jahr

Wie die Diözese Regensburg am Freitag in einem Zwischenbericht mitteilte hatten im vergangenen Jahr 75 Personen einen Antrag auf Anerkennung erlittener körperlicher Gewalt gestellt. Insgesamt hatten demnach 75 Personen im letzten Jahr einen Antrag auf eine solche Anerkennungszahlung gestellt, in 45 Fällen wurde Geld ausgezahlt. Zudem hatte das Bistum Regensburg 28 weitere Fälle einvernehmlich an andere Bistümer, Orden oder kirchliche Institutionen weiter geleitet.

Die anderen Fälle sind noch in Bearbeitung oder aus Gründen der Zuständigkeit an andere Bistümer oder kirchliche Institutionen weitergeleitet worden. Achtmal bekamen Opfer die Höchstsumme von 5.000 Euro.

Der zeitliche Schwerpunkt der dargelegten Straftaten liegt den Angaben zufolge in den 1960er und 1970er Jahren, die Beschreibungen reichen aber noch bis in das Jahr 1986. „Die beschuldigten Täterinnen und Täter sind verstorben oder in einem Alter und Gesundheitszustand, der es nicht erlaubt, die Auseinandersetzung mit den Vorwürfen zu fordern“, heißt es weiter in dem Bericht.

Die heute veröffentlichenten Anerkennungszahlungen haben nichts zu tun mit den Misshandlungsfällen bei den Regensburger Domspatzen. Im Zusammenhang mit dem Misshandlugnsskandal bei dem weltberühmten Knabenchor wurde bis heute bereits über mehr als 130 Opferanträge entschieden. Die Domspatzen-Missbrauchsopfer bekommen auch deutlich mehr Geld: zwischen 5.000 und 20.000 Euro.

Quelle: "br.de", katholisch.de"   

Freitag, 19. Januar 2018

Bistum Trier: Pfarrbrief löst Empörungswelle aus



Ein Gemeindebrief der Pfar­rei­en­gemein­schaft St. Ste­pha­nus sorgt für Empörung. Er zeigt den Heiligen Blasius – in einer denkbar ungünstigen Position.


"Die Angst, die uns den Hals zuschnürt; die Wut, die uns sprachlos macht; die Schuld, die uns verstummen lässt; die Scham, die wie ein Kloß im Halse sitzt; das Unrecht, das uns lähmt - auf die Fürsprache des heiligen Blasius bitten wir Gott um Segen und Heilung."

Das Motiv wurde inzwischen von der Homepage der Pfarreiengemeinschaft Illingen bereits wieder gelöscht. 

Dominik Holl (27), Sprecher der bischöflichen Pressestelle Saarbrücken: „Die Zeich­nung stammt aus einer On­line-Platt­form zur Er­stel­lung von Pfarr­brie­fen. Die Zeich­nung be­zieht sich auf eine Le­gen­de des Hei­li­gen Bla­si­us, eines Bi­schofs aus dem 4. Jahr­hun­dert. Die­ser soll einen rö­mi­schen Sol­da­ten im Ge­fäng­nis vor dem Er­sti­ckungs­tod ge­ret­tet haben."

Warum das Bild wieder entfernt wurde?  "Um weitere Missinterpretationen und falsche Kontextualisierungen zu vermeiden." so Holl

Mittwoch, 17. Januar 2018

Bistum Trier: Glaubwürdigkeit auf katholisch: Während der Papst in Chile Opfer sexuellen Missbrauchs um Verzeihung bittet, hält sich der ehemalige chilenische Erzbischof, auf dem Vorwürfe schwersten sexuellen Missbrauchs lasten, seit Jahren im Bistum Trier auf

Papst Franziskus Opfer hat wegen des sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche in Chile um Verzeihung gebeten. „Es ist richtig, um Entschuldigung zu bitten und den Opfern mit aller Kraft zu helfen“, sagte Franziskus am Dienstag in Santiago de Chile. Einen Protestzug gegen den Missbrauch stoppten Spezialeinheiten mit Wasserwerfern. Er empfinde „Schmerz“ und „Scham“, wenn er an den „irreparablen Schaden“ denke, der „diesen Kindern“ durch Kirchenfunktionäre zugefügt worden sei, sagte der Papst im Präsidentenpalast, wo er von Staatschefin Michelle Bachelet empfangen wurde. Die Kirche müsse sich darum bemühen, dass „sich das nicht wiederholt“.

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Einer der Beschuldigten, ein ehemaliger chilenischer Erzbischof, auf dem schwerste Vorwürfe sexuellen Missbrauchs lasten, lebt seit 2005 im Bistum Trier. Ausgerechnet im Bistum des Missbrauchsbeauftragten der DBK, Bischof Dr. Stephan Ackermann.  Recherchen bestätigen diese Angaben.

"An jenem Wochenende, ungefähr gegen 17.00h, brachten sie uns zum Besuch in das Erzbistum von La Serena, wo wir mehr als einmal waren und wo ich Zeuge des verabscheuungswürdigsten Gräuels an einem meiner Freunde wurde."

Mit diesen Worten beginnt der Auszug aus dem Buch " Detrás de los muros del SENAME (“Mi infierno en el SENAME)". Darin beschreibt Édison Llanos,  wie er als Kind mitansehen musste, wie sein Freund von dem ehemaligen chilenischen Erzbischof, Monseñor Francisco José Cox,vergewaltigt wurde.

2002 gab Erzbischof Francisco Javier Errázuriz Ossa erstmals öffentlich zu,  dass der Beschuldigte freiwillig wegen "unangemessenen Verhaltens"  im Zusammenhang mit seiner "etwas überschwänglichen Zuneigung insbesondere zu Kindern" zurückgetreten und versetzt worden sei.  Unklar bleibt, ob es sich tatsächlich um eine freiwillige Entscheidung oder um eine Auflage der Kirche handelte.  Gleichzeitig wurden Vorwürfe laut, die Kirche habe ihn geschützt, indem sie ihn nach Deutschland geschickt habe.

Der Generaloberer der Schönstatt-Patres,  P. Juan Pablo Catoggio sagte auf WDR-Anfrage, Cox sei von der Bischofkongregation in Rom den Schönstatt-Patres anvertraut worden. "Sollten die Fakten stimmen, müsste Cox angeklagt werden".  - Doch das ist bisher nicht geschehen. 

Nachdem er zuerst in die Schweiz ging, lebt Cox seit 2005 im Bistum Trier.  -  Zu diesem Zeitpunkt war der heutige Kardinal Reinhard Marx Bischof von Trier.

Weitere Hintergründe und Informationen: "Bistum Trier / Chile: "Katholisches Kartell" reicht bis ins Bistum Trier"

Dienstag, 16. Januar 2018

Bistum Münster: Pfarrer bittet nach "unangemessenen Kurzmitteilungen" um Entpflichtung




Quelle: bistum-muenster.de

Das Bistum Münster gab am Montag auf NRZ-Nachfrage weitere Hintergründe zur Entpflichtung von Materborns Pfarrer Christoph Grosch bekannt. Nach Angaben des Bistumssprechers Stephan Kronenburg kann ein sexueller Hintergrund in der WhatsApp Kommunikation ausgeschlossen werden. Wie gestern berichtet, sprach das Bistum in einer Presseerklärung von einem „unangemessenen Kommunikationsverhalten“ gegenüber einen Jugendlichen als Grund für die Entpflichtung. Diese Formulierung ließ einen breiten Raum für Spekulationen zu.Nach eingehender Prüfung der Juristen im Bistum sei man zur Auffassung gekommen, dass keine sexuelle Belästigung, Anspielungen oder dergleichen vorliege. Daher habe man den Fall auch nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben müssen, so Kronenburg.

Auch ein kirchenrechtliches Verfahren muss Pfarrer Christoph Grosch nicht fürchten. Worum es genau in der Kommunikation ging, möchte das Bistum nicht preisgeben. Nur so viel: „Es geht um das Thema ‘Nähe und Distanz’. Er ist nun einmal Pfarrer“, so Kranenburg. (sic!) Wie er künftig im Bistum eingesetzt wird, hänge auch im Wesentlichen von seinen Entscheidungen ab: „Zunächst bleibt er im Dienst der Kirche“, so Kronenburg.

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  • "Wenn jemand sagt, er brauche eine Auszeit, dann ziehen sich die Leute in der Regel irgendwohin zurück. Sonst führt das auch zu nichts", sagt der Sprecher. Dass die katholische Kirche reich an Rückzugsorten ist, betonte er: "Ob ein Kloster oder andere kirchliche Häuser, da haben wir sicher einige Möglichkeiten. ("rp-online.de")
  • Christoph G. bleibt auch nach seiner Entpflichtung Priester. Bischof Genn hat ihn lediglich von seinen Aufgaben, was die Leitung der Gemeinde betrifft, freigestellt. Eine Rückkehr in den Dienst ist somit durchaus möglich. Erst wenn ein geweihter Geistlicher um seine Demission bittet und dieser durch den Bischof zugestimmt wird, ist er von seinen Funktionen entbunden. Priester bleibt er immer.("rp-online.de")

Montag, 15. Januar 2018

Bistum Trier: 36 "Fälle" von Missbrauchsverdacht - 33 "kircheninterne Ermittlungen" - 135 Betroffene - 3 laufende "kircheninterne Ermittlungen"

"Seit 2010 hat es im Bistum Trier 36 Fälle von Missbrauchsverdacht gegeben. Gegen 33 katholische Geistliche sind die kircheninternen Ermittlungen inzwischen  abgeschlossen, drei laufen noch - einer davon in Freisen. Laut Bistum sind 90 Opfer entschädigt wurden - mit im Schnitt 5.000,00 Euro pro Fall.  Insgesamt hatten sich 135 Opfer im Bistum Trier gemeldet: 5 Anträge wurden abgelehnt, 35 mutmaßliche Opfer verfolgen ihr Anliegen nicht weiter."

Quelle: "Saarländischer Rundfunk"; Aktueller Bericht, ab Minute 18:06 


Verlässliche Angaben? - Fehlanzeige!


Dieses Mal kommt eine weitere Variable hinzu: "Fälle (!) von Missbrauchsverdacht" !  - und:  "kircheninterne Ermittlungen" kann sowohl einen kirchenrechtlichen Strafprozess beinhalten als auch auch eine kirchenrechtliche Voruntersuchung! 

"interne Verfahren", "kircheninterne Verfahren", "kirchliche Voruntersuchungen", "kirchenrechtliche Untersuchungen",  "kircheninterne Ermittlungen", "beschuldigte Priester", "beschuldigte Priester, bei denen sich der Missbrauchsverdacht bestätigt hat", "Priester, die suspendiert wurden", "Priester, die entlassen wurden", "laisierte Priester", "Priester, die in den Laienstand versetzt wurden", "Priester, die unter Aufsicht gestellt wurden", "Täter, die unter Auflagen weiterarbeiten", "Täter", "lebende Täter", "verstorbene Täter", "Entschädigungszahlungen insgesamt"; "bewilligte Anträge", "gestellte Anträge", "Opfer, die ihre Anträge nicht weiter verfolgen",  "in den vergangenen Jahren", "in den letzten Jahren", "inzwischen", "seit Beginn des Missbrauchsskandals"  -  und immer wieder die Worthülse "Fälle" (!!!), das Wort, das selbst das Bistum Trier nicht in der Lage ist zu definieren. 

Dies sind die unterschiedlichen Variablen, mit denen das Bistum Trier jährlich in seinen Angaben jongliert. -  Lediglich die Höhe der Entschädigungssumme  bleibt als fixe Angabe bestehen. Ein Vergleich der Angaben mit Vorjahren bleibt unmöglich.  Transparenz? - Fehlanzeige! Angaben über die Anzahl kirchliche Strafverfahren wurden wenige Stunden zuvor  z.B. völlig außer Acht gelassen.  Hieß es heute morgen noch in der dpa-Meldung des Bistums Trier, dass derzeit zwei "kirchlichenrechtliche Untersuchungen" laufen, wurde unter der Begrifflichkeit "kircheninterne Ermittlungen"  nun auch das strafrechtliche Kirchenverfahren  eingordnet. - Bischof Ackermann wird vermutlich seine Gründe haben, warum er seine jährlichen Angaben  nicht transparenter veröffentlicht. / ca

Bistum Trier: 135 Opfer meldeten sich - "interne Verfahren" gegen 33 Priester - zwei laufende "kirchenrechtliche Untersuchungen"

135 Betroffene hätten sich in den vergangenen Jahren gemeldet, teilte Bistumssprecherin Judith Rupp am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit

Über die Jahre sei gegen insgesamt gegen 33 Priester in kircheninternen Verfahren ermittelt worden, sagte Rupp. Derzeit liefen noch zwei kirchenrechtliche Voruntersuchungen.


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Donnerstag, 11. Januar 2018

Bistum Trier: Guido Britz, Anwalt des ehemaligen Pfarrers von Freisen kritisiert Entscheidung des Vatikans

An der Entscheidung des Vatikans, den Ex-Pfarrer von Freisen vor ein kirchliches Gericht zu stellen, hat der Anwalt des Geistlichen scharfe Kritik geübt. Der Jurist warf der Kirche vor, an seinem Mandanten ein Exempel statuieren zu wollen. Mit seinem Mandanten wolle die Kirche "einen Sündenbock" haben. Der Fall solle dokumentieren, "dass man in Zukunft aktiver sein will", sagte Anwalt Guido Britz.  Der Mann selbst bestreitet die Vorwürfe. Das angekündigte Verfahren sieht Britz deshalb auch als Chance zur Rehabilitierung seines Mandanten. 

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Hintergrund:

  • Der ehemalige Pfarrer von Freisen wurde insgesamt acht (!) Mal angezeigt. Darunter zwei Mal vom Bistum Trier selbst. Die Vorwürfe reichen von illegalem Waffenbesitz bis zum schweren sexuellen Missbrauch einer Grundschülerin: So steht in der Kriminalakte, die der ZEIT vorliegt: "Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes durch Vollzug des Beischlafes oder anderer Handlungen von einem über Achtzehnjährigen". - Zu einer Anklage ist es nie gekommen. Alle Verfahren wurden inzwischen von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken eingestellt – das letzte Anfang April 2017 –, weil entweder die mutmaßliche Tat zu lange zurück lag oder der Anfangsverdacht keine Anklage rechtfertigte oder die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung für unwahrscheinlich hielt.  "Gut im Gedächtnis geblieben ist M. Folgendes: Im Jahr 2013, als zum zweiten Mal gegen ihn ermittelt wurde – wegen des Verdachts auf schweren sexuellen Missbrauch einer Grundschülerin –, habe es ein kircheninternes Abkommen gegeben. "Wir hatten vereinbart, dass nichts nach außen dringen darf", sagt er. Nur drei eingeweihte Parteien habe es gegeben: ihn selbst, seinen vorgesetzten Gemeindepfarrer Hanno Schmitt und das Bistum."
Quelle: "Sein Pfarrer soll ihn missbraucht haben: Aber er kann es nicht beweisen. Wie soll die Kirche mit einem mutmaßlichen Täter umgehen, der mehrfach angezeigt, aber nie verurteilt wurde? Der heikle Fall im Bistum Trier.", "Zeit.de", 03.05.2017

Mittwoch, 10. Januar 2018

Bistum Trier: Ehemaliger Pfarrer von Freisen vor Kirchengericht - Strafverfahren wird eingeleitet





direkt zum Beitrag "Aktueller Bericht", SR, 10.01.2018


Hintergrund:
  • Der ehemalige Pfarrer von Freisen wurde insgesamt acht (!) Mal angezeigt. Darunter zwei Mal vom Bistum Trier selbst. Die Vorwürfe reichen von illegalem Waffenbesitz bis zum schweren sexuellen Missbrauch einer Grundschülerin: So steht in der Kriminalakte, die der ZEIT vorliegt: "Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes durch Vollzug des Beischlafes oder anderer Handlungen von einem über Achtzehnjährigen". - Zu einer Anklage ist es nie gekommen. Alle Verfahren wurden inzwischen von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken eingestellt – das letzte Anfang April 2017 –, weil entweder die mutmaßliche Tat zu lange zurück lag oder der Anfangsverdacht keine Anklage rechtfertigte oder die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung für unwahrscheinlich hielt.  "Gut im Gedächtnis geblieben ist M. Folgendes: Im Jahr 2013, als zum zweiten Mal gegen ihn ermittelt wurde – wegen des Verdachts auf schweren sexuellen Missbrauch einer Grundschülerin –, habe es ein kircheninternes Abkommen gegeben. "Wir hatten vereinbart, dass nichts nach außen dringen darf", sagt er. Nur drei eingeweihte Parteien habe es gegeben: ihn selbst, seinen vorgesetzten Gemeindepfarrer Hanno Schmitt und das Bistum."
Quelle: "Sein Pfarrer soll ihn missbraucht haben: Aber er kann es nicht beweisen. Wie soll die Kirche mit einem mutmaßlichen Täter umgehen, der mehrfach angezeigt, aber nie verurteilt wurde? Der heikle Fall im Bistum Trier.", "Zeit.de", 03.05.2017

Bistum Trier: Gegen den unter Missbrauchsverdacht stehenden früheren Pfarrer von Freisen wird ein Strafverfahren am kirchlichen Gericht des Erzbistums Köln eingeleitet

Glaubenskongregation lässt Fall des früheren Freisener Pfarrers gerichtlich klären

Trier – Gegen den früheren Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen wird ein Strafverfahren am kirchlichen Gericht des Erzbistums Köln eingeleitet. Das hat die Glaubenskongregation in Rom nach Prüfung der kirchenrechtlichen Voruntersuchung des Bistums Trier gegen den Priester mitgeteilt.

Da der frühere Pfarrer die gegen ihn erhobenen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger bestreitet, hat die Glaubenskongregation die Klärung in einem Gerichtverfahren angeordnet. Es findet am kirchlichen Gericht des Erzbistums Köln statt, weil der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann die Kongregation gebeten hatte, das Verfahren nicht innerhalb der Diözese Trier zu führen. Damit wird auch eine größtmögliche Neutralität sichergestellt.

Quelle: Pressemeldung Bistum Trier, 10.01.2018




Dass ein kirchenrechtliches Strafenverfahren allerdings mit nicht zu vielen Hoffnungen für ein Opfer verbunden sein darf, zeigen folgende Fälle:
  • Bistum Würzburg: "Das Bistum kam hingegen in einem internen Kirchengerichtsverfahren zu der Ansicht, "die behauptete Straftat" sei "nahezu auszuschließen." Aus den rund 1300 Seiten internen Akten über das Verfahren, die dem SPIEGEL vorliegen, geht dabei hervor, dass der Beschuldigte selbst gemeinsam mit dem damaligen Generalvikar des Bistums entschied, den wohl verjährten Fall nicht durch eine Staatsanwaltschaft überprüfen zu lassen. Obendrein wurde der mutmaßliche Täter über die Vorwürfe vorgewarnt, durfte im Würzburger Kirchenarchiv sonst unzugängliche Akten zu seinem eigenen Fall durcharbeiten und konnte so selbst Einfluss auf den Gang des Verfahrens nehmen." (spiegel.de)
  • Der Film "Richter Gottes" gibt zum ersten Mal einen Einblick in die Welt der deutschen Kirchengerichte. Er zeigt, welche Prozesse dort geführt werden. Wer die Angeklagten, wer die Opfer sind. Wer dort richtet. Zum ersten Mal sprechen Prozessbeteiligte ausführlich über ihre Arbeit. Erzählt wird entlang der Geschichte eines Missbrauchstäters der katholischen Kirche in Deutschland. Es ist das erste Mal, dass er sich überhaupt öffentlich äußert. Er und auch seine Opfer berichten in diesem Film von ihrem Kirchengerichtsprozess, vom Umgang der Kirche mit diesem Fall. ("Richter Gottes - die geheimen Prozesse der Kirche", ARD) ab Minute 11.36 (gbs, Koblenz)



Bistum Regensburg sieht Verbesserungsbedarf: "Täter finden immer wieder Lücken, die sie ausnützen"

Nachdem in Deggendorf der Fall eines ehemaligen Priesters verhandelt wird, der Kinder immer wieder sexuell missbraucht haben soll, hat sich das Bistum Regensburg dazu geäußert. Bei der Verhinderung solcher Straftaten gebe es weiterhin Verbesserungsbedarf, heißt es.

Seit Jahren sei die Kirche bemüht, durch Präventionsschulungen und die Pflicht zur Vorlage erweiterter polizeilicher Führungszeugnisse die Sensibilität für das Thema wachzuhalten, "um genau solche Fälle möglichst zu verhindern", erklärte Generalvikar Michael Fuchs. Leider fänden Täter immer wieder Lücken, die sie ausnützten.

den vollständigen Artikel auf "br.de" lesen

So ergaben  Recherchen im Bistum Trier im vergangenen Jahr, dass noch nicht einmal der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Bischof Ackermann selbst,  sich  dazu in der Lage sah, all seine eigenen Priester zu einer verbindlichen Abgabe der Selbstverpflichtungserklärung  bzw. an der Teilnahme an dem Präventionsprogramm zu bewegen. /ca


Deggendorf: Ehemaliger Priester schweigt weiter

Ein wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs angeklagter ehemaliger Priester hat am Dienstag vor dem Landgericht Deggendorf erneut die Aussage verweigert. Er werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern, ließ der 53-Jährige über seinen Anwalt ausrichten. "Er fühlt sich dazu nicht in der Lage." Bereits zum Prozessauftakt Mitte Dezember hatte der Mann geschwiegen. Laut Anklageschrift hat der aus Wuppertal stammende frühere Priester seit Mitte der Neunzigerjahre fünf Jungen bei insgesamt mindestens 100 Gelegenheiten sexuell missbraucht. Außerdem soll er versucht haben, eine 18-Jährige zu vergewaltigen. 

Montag, 8. Januar 2018

Bistum Trier: über die Phrase der "Null-Toleranz" - Ein Kommentar

Die amerikanische Linie der Nulltoleranz-Linie gegenüber den Tätern ist bis heute die Ausnahme von der Regel. Die Bischofskonferenz der USA hatte sich ihr Vorgehen als nationales Sonderrecht („kirchliches Partikularrecht“) in Rom genehmigen lassen. - In Deutschland hielt man das offensichtlich nicht für nötig. 

Anders als in den USA wird die kirchenrechtliche Höchststrafe der Entlassung aus dem Priesteramt nämlich hierzulande nur in extremen Fällen angewandt. Nicht selten setzen Bischöfe – nach Therapien und positiven forensischen Gutachten – die meist schon betagten Täter weiterhin in der Sonder- oder Aushilfsseelsorge, Altenheimen und Krankenanstalten ein. 

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz , Ackermann, sagte im September 2013 in einem Interview mit dem Kölner „domradio“ unter der irreführenden Überschrift: „Natürlich wird ein Täter nicht mehr eingesetzt“
„Bei den Klerikern war es ja so, dass wir bei den Leitlinien 2010 vor allem auch geschaut haben, was geschieht mit jemandem, der straffällig geworden ist, der Täter ist. Was ist da denkbar an künftigem Einsatz. Wir haben vor allen Dingen auf die Schwere des Vergehens geschaut. Auch die Strafe, die zu verhängen ist, natürlich immer in enger Abstimmung mit der Glaubenskongregation in Rom. Und zweitens haben wir geguckt, wie ist das Risiko. Die forensische Begutachtung soll ja dazu dienen, zu schauen, wie ist das Risiko, ob es da ein Gefährdungspotenzial gibt, auch künftig. Und wir hatten klar gesagt, es gibt die Einschränkung, natürlich wird jemand, der Täter geworden ist, nicht mehr eingesetzt im Bereich Kinder- und Jugendarbeit. Aber das heißt natürlich, dann auch nicht mehr im allgemeinen Feld der Pastoral, etwa als Pfarrer, weil Kinder und Jugendliche zu diesem Feld dazugehören.“ 
Worte, an die sich Ackermann allerdings selbst nicht hielt. Es verging seitdem kaum ein Jahr, in dem die Medien nicht über einen Pfarrer berichteten, der weiterhin zelebrierte - auch wenn er mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, Übergriffen, Distanzunterschreitungen etc. konfrontiert war. 

Seine Null-Toleranz-Politik, so räumte Ackermann später ein, sei missverstanden worden. Sie gelte nämlich nicht – wie beispielsweise in den USA – den Tätern, sondern lediglich den Taten. 

Ackermann präzisierte daraufhin auch seine Aussage gegenüber auffällig gewordenen Priestern: "Erst, wenn ein pädophiler Täter (also ein Priester, der nicht nur pädophil diagnostiziert wurde, sondern auch wegen Missbrauchs verurteilt wurde, ca) im Kirchendienst bleibe, müsse ein psychiatrisches Gutachten klären, ob und wie er ohne Gefährdung Minderjähriger eingesetzt werden könne."

Pädophil diagnostiziert wurde bisher jedoch nur eine geringe Prozentzahl der Priester, die sich an Kindern und Jugendlichen vergingen. - Somit hat auch kaum ein Priester im Bistum Trier zu befürchten, aus dem Klerikerstand entlassen zu werden:  Es müssen nämlich gleich drei Kriterien erfüllt sein, bevor sich sowohl ein Priester, der sich an Kindern verging als auch Bischof Ackermann Gedanken um eine Entlassung des Priesters aus dem Klerikerstand machen muss. Erstens muss ein Priester pädophil diagnostiert werden. Zweitens: seine Prognose muss als "gefährdend gegenüber Kindern" eingestuft sein und drittens: Der Priester muss wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden sein, so dass er überhaupt strafrechtlich als Täter gilt. - In den meisten Fällen wird erst dann die Glaubenskongregation in Rom für eine Entlassung aus dem Klerikerstand stimmen. - Und dies trifft auf die wenigstens Priester, die sich an Kindern vergingen,  zu. - Allein schon dadurch, dass eine Vielzahl der Taten  nach der deutschen Gesetzgebung verjährt ist. 

Die Befürchtungen, dass die meisten Priester, auch diejenigen, die im Bistum Trier in den letzten Jahren sexuell auffällig wurden, nahezu uneingeschränkt weiter zelebrieren, dürfte sich bewahrheiten.  Was sich bisher belegen ließ:  Pfarrer, die bzgl. ihrer priesterlichen Tätigkeiten Einschränkungen auferlegt bekamen und sich nicht daran hielten, hatten bisher keinerlei Konsequenzen zu befürchten.  Die Anzahl der Priester, die von Bischof Ackermann aus dem Klerikerstand entlassen wurden, lassen sich aufgrund der hohen Toleranz des Missbrauchsbeauftragten an einer Hand abzählen. So sind im Bistum Trier bisher offiziell drei Priester entlassen wurden. Allerdings erst, nachdem Medien über die Fälle berichteten.  - Und: Einer von ihnen bat dabei selbst um die Entpflichtung.  

- Während Bischof Ackermann sich also weiterhin auf Begutachtungen verlässt, bzw. die Gutachten als Grundlage für eine Weiterbeschäftigung zunutze zieht und die Priester, die sexuell missbraucht haben, weiter beschäftigen kann, gesteht der Schweizer Bischof Felix Gmürr nun ein: „«Solche Berichte sind zwar in schönem Deutsch verfasst, aber sie tönen für mich als Nichtfachmann manchmal etwas schwammig. Es wird bei der Beurteilung einer Rückfallgefahr viel im Konjunktiv geredet – könnte, sollte, müsste und vielleicht –, weil man es eben hier nicht mit harten Fakten zu tun hat. Wie schätze ich die Gefahr also ein?» Weiterhin stellt Gmürr die Frage: "Was tun, wenn beim Täter die Einsicht fehlt?" - und zwar unabhängig davon, ob er verurteilt wurde oder nicht.
2012 ließ Ackermann veröffentlichen: „Selbstverständlich müssen wir uns zunächst um die Opfer kümmern, sind aber auch verpflichtet, uns mit den Tätern und ihrem Verbleib auseinanderzusetzen – nicht zuletzt unter Wiedereingliederungs- und Rückfallgesichtspunkten sowie vor dem Hintergrund der Rechte eines jeden Menschen. Unsere langfristige Arbeit mit sexuellen Missbrauchstätern aus dem kirchlichen Umfeld ist eine herausfordernde, aber notwendige Arbeit“, sagte Msgr. Arsenault. „Ein Behandlungsprogramm muss sowohl die verhaltens- und psychodynamische Perspektive, aber auch die kirchlich-spirituelle Dimension eines Täters berücksichtigen“, sagte Arsenault und unterstrich dabei auch die Bedeutung eines länderübergreifenden Austauschs."
Dass Ackermann sich selbst bis in das Jahr 2017 nachweislich intensiver um auffällige Priester kümmerte, als um eines seiner Opfer ist bekannt und belegbar. Auch, dass Ackermann 2012 die "Bedeutung eines länderübergreifenden Austauschs" betont, hat einen sehr bitteren Beigeschmack: "Länderübergreifend" wurden nämlich bisher die Täter ausgetauscht. Bei der Antwort auf die Frage, wie man mit auffällig gewordenen Priestern verfährt, scheint dieser "länderübergreifenden Austausch" nicht so erfolgreich gewesen zu sein wie bei der Versetzung der Täter. Sonst würden sich die Schweizer Bischöfe heute wohl kaum mit der Frage konfrontiert sehen, auf die Bischof Ackermann seit acht Jahren keine Antwort findet. - Die USA hatte auf diese Frage schon Jahre zuvor eine Antwort: Keine Toleranz gegenüber den Tätern. 

Doch nicht nur in seinem  eigenen Bistum, sondern auch länderübergreifend wahrt der Missbrauchsbeauftragte eine große Toleranz gegenüber den Tätern. Dies wird z.B. im Fall des ehemaligen chilenischen Bischofs deutlich, auf dem Vorwürfe schwersten sexuellen Missbrauchs lasten und der seit 2005 im Bistum Trier Zuflucht gefunden hat.

Über den ersten offiziellen Fall im Umgang mit vorbestraften Priestern im Bistum Trier berichtete übrigens der „SPIEGEL“ im Jahr 1973: Ein in Österreich wegen Unzucht mit drei Jugendlichen zu fünf Monaten Kerker verurteiltem Priester, der in der Diözese Freiburg Priester werden wollte, wurde seine Bewerbung wegen „der Gefährdung der ihm anzuvertrauenden Jugendlichen“ abgelehnt. – Im Bistum Trier hingegen gab es keine Bedenken. Der damals amtierende Bischof Matthias Wehr schickte ihn ausgerechnet auf die Vakanz in Ehlenz (wo 1960 schon sein Vorgänger wegen gleichartiger Neigungen in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion abgeholt worden war): In Ehlenz verging sich der Geistliche dann in über hundert Fällen an 19 Kindern und Jugendlichen. Der Artikel endet mit dem Zitat eines Dorfbewohner: “ "Die größte Schweinerei hat der Bischof gemacht, wenn er gewußt hat, dass der Pastor so'n Kerl war."  

2015 dann eine neue Erklärung zur "Nulltoleranz": Für Ackermann steht fest, dass in seiner Kirche inzwischen eine Nulltoleranz gegenüber sexuellen Übergriffen herrscht - "nicht formaljuristisch, aber faktisch".

- Immerhin legt die Schweizer Bischofskonferenz Zahlen vor, die zeigen, dass in den letzten sechs Jahren zwei Beschuldigte verwarnt wurde, zwei ein Rayonverbot erhielten, drei Beschuldigte aus dem Kirchenamt entlassen wurde, einer suspendiert und einem weiteren eine Aufgabe zugewiesen wurde, bei der er keinen Kontakt zu potenziellen Opfern hat. Sechs Beschuldigte machten eine Therapie. 

In Deutschland hält der Missbrauchsbeauftragte diese Zahlen unter Verschluss bzw. behauptete Ackermann im März 2016 in einem Interview im „tagesspiegel“ auf die Frage: „Wie viele Täter wurden aus ihren Ämtern entlassen?

„Da bin ich überfragt.“

- Manch ein Betroffener hofft daher auf die Paralleljustiz des Kirchenstrafrechts: "Die Ahndung von sexuellem Missbrauch wird nach Auffassung des Vatikans jedoch oft durch unzureichende Kenntnisse der Bischöfe im katholischen Kirchenrecht behindert. "Das Problem sind nicht so sehr die Instrumente, die zur Verfügung stehen, sondern eher ihre Kenntnis und korrekte Anwendung", sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, Kardinal Francesco Coccopal." 

Dass ein kirchenrechtliches Strafenverfahren in Deutschland allerdings mit nicht zu vielen Hoffnungen für ein Opfer verbunden sein darf, zeigen folgende Fälle:
  • Bistum Würzburg: "Das Bistum kam hingegen in einem internen Kirchengerichtsverfahren zu der Ansicht, "die behauptete Straftat" sei "nahezu auszuschließen." Aus den rund 1300 Seiten internen Akten über das Verfahren, die dem SPIEGEL vorliegen, geht dabei hervor, dass der Beschuldigte selbst gemeinsam mit dem damaligen Generalvikar des Bistums entschied, den wohl verjährten Fall nicht durch eine Staatsanwaltschaft überprüfen zu lassen. Obendrein wurde der mutmaßliche Täter über die Vorwürfe vorgewarnt, durfte im Würzburger Kirchenarchiv sonst unzugängliche Akten zu seinem eigenen Fall durcharbeiten und konnte so selbst Einfluss auf den Gang des Verfahrens nehmen." (spiegel.de)
  • Der Film "Richter Gottes" gibt zum ersten Mal einen Einblick in die Welt der deutschen Kirchengerichte. Er zeigt, welche Prozesse dort geführt werden. Wer die Angeklagten, wer die Opfer sind. Wer dort richtet. Zum ersten Mal sprechen Prozessbeteiligte ausführlich über ihre Arbeit. Erzählt wird entlang der Geschichte eines Missbrauchstäters der katholischen Kirche in Deutschland. Es ist das erste Mal, dass er sich überhaupt öffentlich äußert. Er und auch seine Opfer berichten in diesem Film von ihrem Kirchengerichtsprozess, vom Umgang der Kirche mit diesem Fall. ("Richter Gottes - die geheimen Prozesse der Kirche", ARD) ab Minute 11.36 (gbs, Koblenz)
  • "Ausgeschlossen, dass man Pfarrer H. jemals noch mit Jugendlichen arbeiten lässt" - so schrieb der Psychiater Werner Huth  über einen pädophilen Gottesmann. Doch das Erzbistum München ignorierte die Warnung.
Am 15. Juli 2010 hat die römische Glaubenskongregation eine Neufassung der ihr vorbehaltenen Normen über schwerwiegende Straftaten (Normae de gravioribus delictis Congregationi pro Doctrina Fidei reservatae) veröffentlicht. Die Novellierung dieses erstmals im Jahre 2001 erschienenen Erlasses verwertet die praktischen Erfahrungen der letzten neun Jahre in materiell- und verfahrensrechtlicher Hinsicht.

Sie berücksichtigt auch die am 12. April 2010 von derselben Kongregation gebotene "Verständnishilfe für die grundlegende Vorgangsweise bei Vorwürfen sexuellen Missbrauchs". Beigegeben sind der Verlautbarung ein kurzes einführendes Schreiben des Präfekten der Glaubenskongregation, ein Überblick zur Entwicklung des einschlägigen kirchlichen Rechts seit dem Codex Iuris Canonici/1917 und eine Erklärung des Pressesprechers.Gegenüber der bisher geltenden kirchenrechtlichen Lage betreffend die Missbrauchsdelikte sind folgende Änderungen hervorzuheben:
  • Die Verjährungsfrist wird auf 20 Jahre verlängert, verbunden mit der Möglichkeit einer weiteren Erstreckung oder Aufhebung im Einzelfall (Art. 7 § 1). Damit kommt das kirchliche Recht ähnlichen Forderungen aus staatlicher Sicht entgegen.
  • Erwerb, Aufbewahrung und Verbreitung von kinderpornographischem Material durch Kleriker in übler Absicht (turpe patrata) werden als selbständiger Tatbestand erfasst (Art. 6 § 1 Nr. 2). Dieser geht zum Teil über die entsprechende Normen weltlichen Strafrechts (§§ 184b, 184c StGB) hinaus.
  • Der Schutzbereich des Missbrauchsdelikts, ursprünglich auf Minderjährige beschränkt, wird auf Erwachsene mit geistiger Behinderung ausgedehnt (Art. 6 § 1 Nr. 1).
  • "Sehr schwerwiegende Fälle", bei denen die begangene Straftat offenkundig ist und dem Angeklagten die Möglichkeit zur Verteidigung gegeben worden war, kann die Kongregation dem Papst direkt vorlegen, damit dieser über die Entlassung aus dem Klerikerstand oder über die Absetzung zusammen mit der Dispens von der Zölibatsverpflichtung entscheidet (Art. 21 § 2 Nr. 2). Damit wird eine schon in der Verständnishilfe (Teil B unter 2) beschriebene Verfahrensweise normativ erfasst.
Ein kirchenrechtliches Strafverfahren führt in den allerwenigsten Fällen zu einer Entlassung aus dem Klerikerstand. - Doch wäre das nicht das Mindeste, was man den Betroffenen schuldig ist?

Claudia Adams

Bistum Trier / Schweiz: Basler Bischof Felix Gmürr: "Ich frage mich immer wieder: Was mache ich mit solchen Seelsorgern?"

Die katholische Kirche der Schweiz hat dank Meldungen von Opfern in den letzten Jahren gegen 200 Priester und Personen im kirchlichen Umfeld identifiziert, die sexueller Übergriffe beschuldigt werden. Ein Teil der Täter ist bereits tot. Ihre Taten liegen Jahrzehnte zurück. Doch der Kirche werden laufend neue Beschuldigte bekannt, denn Opfer berichten von neuen Vorfällen. Von den gegen 250 gemeldeten Missbrauchsfällen für den Zeitraum von 1950 bis heute ereigneten sich mindestens 25 in den letzten sieben Jahren (!).

Die Bischöfe können gegen Beschuldigte Sanktionen ergreifen. Zahlen der Bischofskonferenz zeigen, dass sie in den letzten sechs Jahren zwei Beschuldigte verwarnt haben, zwei erhielten ein Rayonverbot, drei wurden aus dem Kirchenamt entlassen, einer suspendiert, und einem weiteren wurde eine Aufgabe zugewiesen, bei der er keinen Kontakt zu potenziellen Opfern hat. Sechs Beschuldigte machten eine Therapie.

Der Bischof von Basel ist in seinem Bistum verantwortlich für den Umgang mit Beschuldigten und Tätern. Eine schwierige Aufgabe, wie er sagt. Bei der Frage, welche Massnahme man treffe, fällt den Bischöfen mit Unterstützung von kirchlichen Fachgremien die schwierige Aufgabe zu, die Rückfallgefahr eines Täters einzuschätzen. Therapieberichte könnten dabei helfen. Doch Bischof Gmür winkt ab: «Solche Berichte sind zwar in schönem Deutsch verfasst, aber sie tönen für mich als Nichtfachmann manchmal etwas schwammig. Es wird bei der Beurteilung einer Rückfallgefahr viel im Konjunktiv geredet – könnte, sollte, müsste und vielleicht –, weil man es eben hier nicht mit harten Fakten zu tun hat. Wie schätze ich die Gefahr also ein?»

Schwierig sei dies vor allem, wenn die Einsicht fehle. «Es gibt immer wieder Beschuldigte, die mir erzählen, der Übergriff sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Sie sagen: ‹Ich hätte nie gedacht, dass ich das tun könnte›, oder: ‹Es war nichts Grosses, ich würde nie mehr so etwas tun›. Das ist nicht die wahrhaftige Einsicht, die es braucht, damit wir sicher sein können, dass es nicht mehr vorkommt», sagt Gmür. "Das ist ein Dilemma. Ich frage mich immer wieder: Was mache ich mit solchen Seelsorgern?"


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Sonntag, 7. Januar 2018

Bistum Trier / Schweiz: «Nicht alle in der Kirche haben den Ernst der Lage erkannt» - Welches Risiko trägt die Kirche, wenn sie ­Übergriffe intern regelt?




Welches Risiko trägt die Kirche, wenn sie ­Übergriffe intern regelt? 
Dazu der St. Galler Staatsanwalt Elmar Tremp im Interview.

"Ich glaube, dass in der Kirche auch heute noch nicht alle wirklich den Ernst der Lage erkannt haben – und nicht wissen, wann sie einen Verdacht melden müssen.Ich warne die Kirchenleute mit Nachdruck davor, in ernsthaften Fällen selbstständig Abklärungen zu treffen. Die Vertreter der Kirche, die solche Untersuchungen führen, sind zwar im Kirchenrecht gut ausgebildet, das macht sie aber nicht zu kompetenten Ermittlern. Es beginnt allein schon damit, dass sie oft nicht verstehen, wann ein Verdachtsfall ein Offizialdelikt ist, der Staat also untersuchen muss."

Bei Übergriffen auf ­Minderjährige muss die Kirche zwingend die Justiz einschalten. Bei Erwachsenen nicht. Deshalb und weil die Opfer nicht wollen, kommt es kaum zu Anzeigen. Was halten Sie davon?
Das ist ein wunder Punkt. Und es gibt Argumente dafür und dagegen. Als Strafverfolger kann es aber nicht mein Kernproblem sein, was das Opfer meint. Denn es könnten weitere Opfer betroffen sein – und die muss ich zu schützen versuchen. Zudem kann man nicht von vornherein wissen, ob ein Opfer durch eine Anzeige retraumatisiert würde. Ich kann mit der Opferhilfestelle dafür sorgen, dass Betroffene gestärkt werden. Sie haben spezielle Informations- und Schutzrechte, die ich beachten muss.

Welches Risiko trägt die Kirche, wenn sie ­Übergriffe intern regelt?
Noch ist das rechtlich nicht im Detail geprüft. Es kommt auf die konkreten Umstände an. Aber es ist gut möglich, dass die Kirche eine Garantenpflicht hat und der Bischof sich strafbar macht, wenn er ein Offizialdelikt nicht meldet.

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  • Zwar liefert die Bischofskonferenz auf Anfrage Statistiken, die zeigen, dass es seit den 50er-Jahren bis heute zu Vergewaltigungen, Schändungen und Nötigungen gekommen ist. Doch was bedeuten diese nackten Zahlen? Wo, in welchem Pfarramt, in welchem Kloster, in welchem Bistum, haben sich diese Vorfälle zugetragen? Was ist genau ­vorgefallen, und was ist mit den Tätern passiert? Wir wissen es nicht. Es ist zudem anzunehmen, dass sich viele ­Opfer bis heute nicht getrauen, von ihrem Leid zu berichten. Es wäre auch nachvollziehbar, wenn sie sich nicht ­ausgerechnet an jene ­Institution wenden ­wollen, deren Vertreter sie ­missbraucht und ­verraten haben. Die Dunkelziffer dürfte deshalb hoch sein. Fraglich ist auch, ob wirklich alle Übergriffe schonungslos aufgeklärt werden. Denn aus Rücksicht auf die Opfer werden sie zum Teil ­kirchenintern abgeklärt statt an die Justiz weitergeleitet. Das ist heikel. Es wäre deshalb Zeit, mit Strafverfolgern neue Wege zu suchen, um gegen Beschuldigte zu ermitteln, ohne die Opfer zu belasten. Das lässt sich machen, sagen ­Opferberaterinnen und Ermittler. ("Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht, endlich alles zu erfahren", tagesanzeiger.ch)

Bistum Trier / Schweiz: Paralleljustiz - Katholische Kirche schaltet bei Übergriffen die Justiz oft nicht ein

10 Prozent der Vorfälle passierten in jüngster Zeit

Die katholische Kirche in der Schweiz hat seit 2010 in allen Diözesen Anlaufstellen für von Kirchenleuten sexuell missbrauchten Menschen eingerichtet. Dort melden Opfer in den letzten Jahren im Schnitt zwei Vorfälle pro Monat, zwischen 2010 und 2017 kam es laut Informationen der Bischofskonferenz zu insgesamt gegen 250 Meldungen. Die Vorwürfe reichen von ­ungefragten Zärtlichkeiten bis zu sexuellen Attacken. Allein im J­a­nuar 2017 meldeten Opfer 22 Missbrauchsfälle, darunter auch pädophile Übergriffe von zehn Priestern im Bistum Sitten. Sie hatten zwischen 1950 und 1992 Kinder missbraucht, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Ermittlungen oft nur kirchenintern

Tatsächlich entscheiden in manchen Fällen interne Gremien, wann die Kirche Vorwürfe selber untersucht und wann sie Strafverfolger einschaltet. Nur: Je nach Schwere sind sexuelle Übergriffe Offizialdelikte, eigentlich müssten Ermittler von Amtes wegen Verfahren einleiten, wenn sie davon erfahren würden. Auch wenn die Opfer keine Anzeige machen.

Strafverfolger warnen. Elmar Tremp, St. Galler Staatsanwalt und Mitglied des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld», sagt: «Ich rate den Kirchenleuten mit Nachdruck davon ab, in ernsthaften Fällen selbstständig Abklärungen zu treffen. Die Vertreter der Kirche, die solche Untersuchungen führen, sind zwar im kanonischen Recht gut ausgebildet, doch das macht sie nicht zu kompetenten Ermittlern.» Zudem dürfe man nicht von vornherein davon ausgehen, dass ein Opfer durch Ermittlungen erneut traumatisiert werde.

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  • Zehn pädophile Priester identifiziert: Identifiziert wurden die Priester aufgrund von Zeugenaussagen von rund zehn Opfern, die sich beim Bistum Sitten letztes Jahr gemeldet haben. Laut Gérard Falcioni, einem der Opfer, sind die Zahlen jedoch weit von der Realität entfernt. Er habe allein im Wallis rund 50 Opfer getroffen, sagte Falcioni dem Radiosender. Viele der Betroffenen wollten aber nicht öffentlich über das Erlebte sprechen. Falcioni ist zudem der Ansicht, dass die Kirche die pädophilen Priester gedeckt hat, indem diese beispielsweise in andere Kirchgemeinden versetzt worden seien. Frühere Bischöfe hätten von all dem gewusst, aber nichts dagegen unternommen. (srf.ch)

Samstag, 6. Januar 2018

Schweiz: Die katholische Kirche mauert


«Dieses Vorgehen ist absolut erniedrigend»: 
Walter Nowak. 
Eine Sprecherin der Bischofskonferenz bezeichnete den Fall als «absolut glaubwürdig».



Seit mehr als zwei Jahren wartet Missbrauchsopfer Walter Nowak auf eine Reaktion von der katholischen Kirche. Doch nichts passiert.

Die katholische Kirche tut sich mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte schwer. Vor zwei Jahren kündigte sie an, einstigen Zöglingen, die in ihren Institutionen sexuell missbraucht worden waren, eine Genugtuung zu zahlen. Walter Nowak, in den sechziger Jahren im Kloster Fischingen TG psychisch, physisch und sexuell missbraucht, wartet bis heute.

Als die Bischofskonferenz 2015 einen Entschädigungsfonds ankündigte, schrieb Nowak der Kirche. Er erhielt nicht mal eine Antwort...


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  • Missbrauchsopfer von Fischingen: «Die Kirche ist mir eine Antwort schuldig» (tagblatt.ch)
  • Walter Nowak: «Ich habe nie begriffen, was mit mir los war. Jetzt wird aus den Akten klar: Im Kloster wurde ich missbraucht. Und in Münsterlingen erhielt ich keine Hilfe, sondern wurde zum Versuchskaninchen.» (beobachter.ch)

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Bistum Paderborn: Missbrauchsopfer fordert mehr Hilfe - Wenn der Missbrauch durch einen Priester zum Leben am Existenzminimum führt

Andreas Meier wird als Kind von einem katholischen Pfarrer im Erzbistum Paderborn missbraucht. Die Diözese zahlt ihm 6.000 Euro, doch der 50-Jährige fühlt sich im Stich gelassen. Meier: "Ich stecke in einer Lebenskrise."

Lange schafft es Meier danach, die Erinnerungen zu verdrängen. Er hat Beziehungen, gründet eine Familie, doch es gibt auch viele Krisen in seinem Leben. Meier verletzt sich selbst. Manchmal so stark, dass er ins Krankenhaus muss. Er leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und vielen weiteren Erkrankungen. „Ich habe zahlreiche Therapien absolviert und mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie hinter mir, doch die Krisen bleiben trotzdem nicht aus." Meier ist seit einigen Jahren Frührentner. „Es ist ein Leben am Existenzminimum."

Der Sprecher des Erzbistums, Thomas Throenle, erklärt dazu: „Wir machen auch Gesprächsangebote, aber irgendwann ist auch der Handlungsspielraum eines Erzbistums ausgereizt."


den vollständigen Artikel auf "nw.de" lesen




Übernahme der Verantwortung?

"Wir wissen, dass Ihr Leid nicht zu ermessen und durch nichts wieder gut zu machen ist. Die den Opfern zugedachten finanziellen Leistungen, die Übernahme von Therapiekosten können daher nur stets eine symbolischen Charakter haben, können nur ein Zeichen für die Übernahme der Verantwortung sein"


aus meiner eigenen Korrespondenz mit dem Bistum Trier, 04. Januar 2012 (ca)





  • Bistümer horten Milliarden - und schweigen: Die katholische Kirche erhielt 2016 sechs Milliarden Euro Kirchensteuern, wie Erhebungen von Statista zeigen. Und das, obwohl seit der Jahrtausendwende 2,2 Millionen Menschen aus der Kirche ausgetreten sind.Dank Wirtschaftsboom werden die Einnahmen aus der Kirchensteuer in diesem Jahr noch größer ausfallen. Geldsorgen hat die katholische Kirche also keine.Das zeigt auch ein Blick in die Finanzen der 27 deutschen Bistümer. Die besitzen ein Vermögen von mehr als 26 Milliarden Euro. Doch was passiert mit dem Geld? Kommt es Bedürftigen zu Gute? Erhalten Mitarbeiter der Caritas mehr Gehalt - oder werden neue Kindergärten oder Krankenhäuser finanziert? Nein, nichts der Gleichen. Das Geld fließt nicht an Bedürftige oder Arbeitende. Stattdessen horten die Bistümer einen Großteil ihres Vermögens, wie eine Auswertung der Geschäftsbücher des Jahres 2015 zeigt. (den vollständigen Artikel auf "focus.de" lesen,  27.12.2017)

Dienstag, 19. Dezember 2017

Erzbistum Freiburg: Altarweihe in Oberharmersbach: Kirchenvertreter räumt Fehler im Umgang mit den Missbrauchsfällen ein

Altarweihe in Oberharmersbach: Kirchenvertreter räumt Fehler im Umgang mit den Missbrauchsfällen ein: Weihbischof Berger: »Die Wunden bleiben zurück«

Als der Freiburger Weihbischof Michael Gerber den Altar einweiht, spricht er in seiner Predigt auch deutlich Fehler der Kirche an, was den Umgang mit zurückliegenden Missbrauchsfällen durch einen früheren Pfarrer angeht.

Die heutige Weihe sei auch Ausdruck einer besonderen Verpflichtung der Kirche, Menschen mit besonderen leidvollen Erfahrungen zu helfen. Diese den Menschen zugefügten Wunden blieben auch zurück, wie die besagten Stellen auf dem Altar. »Es ist schmerzlich zu wissen, dass die Kirche ihrer Verantwortung nicht immer nachgekommen ist«, kritisierte er die Haltung der Diözese zu den Fällen des Missbrauchs in Oberharmersbach. Gerade den Menschen mit existenziellen Tiefpunkterfahrungen müsse verstärkt die Fürsorglichkeit der Kirche gelten. 




Missbrauchsprozess gegen Ex-Priester: Das seltsame Leben des Pater Thomas

Als Pater Thomas gewann er das Vertrauen einer Kirchengemeinde. Nun steht er vor Gericht, unter anderem wegen Kindesmissbrauchs. Und Gläubige fragen sich, wie sehr man sich in einem Menschen täuschen kann.

Er soll seit Mitte der Neunzigerjahre fünf Jungen insgesamt mindestens hundert Mal missbraucht und versucht haben, eine 18-Jährige zu vergewaltigen. Eine Vielzahl der vorgeworfenen Übergriffe, die in Polen, Italien, Österreich und der Schweiz sowie bei Mainz und im Landkreis Deggendorf begangen worden sein sollen, wird als schwerer sexueller Missbrauch gewertet. Dem 53-Jährigen werden auch Urkundenfälschung, Betrug und Missbrauch von Titeln vorgeworfen.

Anwältin Cornelia Gößl vertritt die Familie des zehnjährigen Jungen als Nebenkläger. Noch bevor die Anklageschrift verlesen wird, fordert sie, für das gesamte Verfahren die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Übergriffe auf den Zehnjährigen hätten diesen "stark physisch und psychisch belastet". Der Junge werde durch eine mögliche öffentliche Berichterstattung "sein Leben lang gebrandmarkt", sagt Gößl. Der Vorsitzende Richter unterbricht die Verhandlung bis Mittwoch. Dann soll klar sein, ob man unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterverhandelt.

Gößl sagt auch, sie hoffe, dass das Verfahren Aufschluss darüber gebe, wie der Täter in der örtlichen Kirchengemeinde "so gut Fuß fassen konnte". Diese Frage stellt sich tatsächlich.

Bistum Hildesheim: Nach schweren Versäumnissen und wissentlicher Inkaufnahme von Gefährdung Minderjähriger will das Bistum Hildesheim künftig früher und entschlossener auf Verdachtsfälle reagieren

Nach dem Vorwurf schwerer Versäumnisse im Umgang mit sexuellem Missbrauch will das Bistum Hildesheim künftig früher und entschlossener auf Verdachtsfälle reagieren.

Eine Mitte Oktober vorgelegte unabhängige Studie hatte dem Bistum Hildesheim jahrzehntelange schwerwiegende Versäumnisse im Umgang mit Missbrauchsfällen angelastet. Die Gefährdung von Minderjährigen sei vom Bistum demnach wissentlich in Kauf genommen worden. Selbst nach Bekanntwerden massenhaften Missbrauchs in katholischen Einrichtungen habe das Bistum im Fall eines Serientäters nur zögerlich reagiert.

Dazu erhält der bischöfliche Beraterstab zu Fragen sexuellen Missbrauchs mit der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) eine unabhängige Leitung, teilte das Bistum am Montag mit. Außerdem werden fünf externe Fachleute als Ansprechpartner in den verschiedenen Regionen des Bistums angestellt. Erarbeitet wird überdies eine neue Rahmenordnung, die alle Verfahrenswege im Umgang mit Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt klar regelt und für alle Einrichtungen des Bistums gültig sein wird, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

Montag, 18. Dezember 2017

Bistum Trier (Freisen II) / Klosterneuburg: Unter dubiosen Umständen wurde ein Mann zum Priester geweiht, der einen Jungen missbraucht hat - trotz Suspendierung konnte er im Bistum Trier Messen halten

Er hat zugegeben, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Trotzdem wurde er danach zum Priester geweiht. Und hat sogar Gottesdienste in Freisen gehalten. Wie das alles passieren konnte, das beschäftigt derzeit Medien in Süddeutschland und Österreich sowie die Staatsanwaltschaften in Würzburg und Klosterneuburg bei Wien. 

Er lebte als Kind in Freisen, feierte dort seine Primiz und ist seit dem Jahr 2002 suspendiert. Er hatte zugegeben, in Unterfranken einen elfjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Das berichtete „Die Zeit“. Aber damit nicht genug. Wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, soll er sich bereits 1993 im Stift Klosterneuburg bei Wien an einem jugendlichen Ministranten vergangen haben.

Vor seinem Eintritt habe sich das Stift über den jetzigen Ruhestandspfarrer im Priesterseminar in Trier erkundigt, von dort aber keine negative Auskunft erhalten, die eine Aufnahme in das Noviziat des Stiftes in Frage gestellt hätte. Nach SZ-Informationen heißt es im Gutachten aus Trier, V. sei unter Vorbehalt ins Priesterseminar aufgenommen worden. Grundlage dafür sei ein Zeugnis des Direktors des Erzbischöflichen Collegiums Marianum in Neuss, wo V. vier Jahre lang lebte. Dieses Zeugnis bescheinigte V. einen ausgeprägten Hang zum oberflächlichen Umgang mit den Dingen des Lebens. Es wurden Zweifel an dem Alter entsprechender Reife geäußert. V. verließ also 1987 das Priesterseminar in Trier, um dem Orden in Österreich beizutreten. 

Seine erste Messe, die Primiz, führte den frisch gebackenen Priester zurück nach Freisen. 1996 hielt ausgerechnet der damalige Pfarrer, über dessen Schicksal wegen Missbrauchsvorwürfen derzeit von der Glaubenskongregation im Vatikan entschieden wird (die SZ berichtete), die Primiz-Ansprache. 2006, also nach seiner Suspendierung, soll er mit dem Freisener Pfarrer in die Kirche eingezogen sein. Diesen habe er 2008 sogar im Gottesdienst vertreten. ...

Die Trierer Bistumssprecherin Judith Rupp nimmt dazu wie folgt Stellung: „Dass Herr V. 2008 einen Gottesdienst in Freisen gefeiert hat, hat das Bistum erst nach der Feier erfahren. Die Feier von weiteren Gottesdiensten im Bistum Trier ist ihm daraufhin untersagt worden.“

den vollständigen Artikel auf "saarbruecker-zeitung.de" lesen

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Bistum Trier / Köllerbach / Banneux: in eigener Sache - Buchfund

Anfang Juli diesen Jahres erhielt ich einen Anruf aus dem belgischen Wallfahrtsort Banneux. Ein älterer Herr gab an, das nachfolgende Buch gefunden zu haben. Da das Buch einen Zettel enthielt, auf dem meine vollständige Anschrift zu lesen war, kontaktierte er mich und bat mich darum, den Eigentümer dieses "Goldenen Buches" ausfindig zu machen. 

Der Eigentümer dieses "Goldenen Buches" kann sich also gerne an mich wenden (Claudia Adams, email-Adresse im Impressum).










"Köllerbach, September 2006 
(zur Deutschlandweihe an das Unbefleckte Herz Mariä)"





auf der Vorderseite eines innenliegenden Zettels 
meine vollständige Anschrift 



auf der Rückseite des Zettels u.a. folgende Namen:



Schweizer Pius-Bruder in Brüssel wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Ein Schweizer Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X (FSSPX) aus dem Wallis wurde am 13. Dezember in Brüssel wegen sexuellen Missbrauchs eines Knaben verurteilt.

Das Berufungsgericht in Brüssel hat den Priester der traditionalistischen Priesterbruderschaft zu fünf Jahren Haft  verurteilt, drei Jahre davon unbedingt, berichtet die Agentur «Belga». Der Missbrauch an einem Knaben ereignete sich zwischen 2010 und 2011 in einem Internat der Bruderschaft in der belgischen Hauptstadt. In erster Instanz war der Angeklagte freigesprochen worden.

Die Richter in Brüssel folgten der Anklage des Generalstaatsanwalts, der auf schuldig sprach und eine fünfjährige Freiheitsstrafe forderte, einen Teil davon unbedingt. Aus Mangel an Beweisen wurde der Priester in zwei weiteren Fällen freigesprochen. Die beiden betroffenen Personen hatten keine Zivilklage beim Berufungsgericht eingereicht.

Der Priester war bereits im Wallis der Pädophilie verdächtigt worden. Er wurde 2006 von einem kirchlichen Gericht freigesprochen. Allerdings war ihm verboten worden, während zehn Jahren Kontakt zu Kindern zu haben.

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Bistum Trier / Klosterneuburg: nach Missbrauchsvorwürfen gegen ehemaligen Priesterseminaristen aus dem Bistum Trier: Stift Klosterneuburg beschließt Einsetzung einer Expertengruppe um Vorwürfe lückenlos aufzuklären

Hintergrund: Das Stift Klosterneuburg sieht sich mit Vorwürfen im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall aus dem Jahr 1993 konfrontiert. Konkret wird dem Stift Klosterneuburg vorgeworfen, den Beschuldigten, einen ehemaligen Priesterseminaristen aus dem Bistum Trier, nicht der staatlichen Justiz zugeführt zu haben, über Jahre hinaus für seinen Unterhalt aufgekommen zu sein und ihn in seinem weiteren kirchlichen Karriereweg unterstützt zu haben.

„Wenn Vorwürfe gegenüber dem Stift Klosterneuburg im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch erhoben werden, dann hat das Stift die Verpflichtung, diesen lückenlos nachzugehen und diese aufzuarbeiten,“ begründet der Propst des Stiftes Klosterneuburg, Bernhard Backovsky, den heutigen Beschluss des Kapitelrates über die Einsetzung einer weisungsfreien Expertengruppe zur Aufarbeitung der in den letzten Wochen erhobenen Vorwürfe. Dabei gehe es einerseits um eine umfassende Beleuchtung des Geschehenen sowie um den Gewinn von Erkenntnissen für das zukünftige Tun des Stiftes Klosterneuburg.

Propst Bernhard Backovsky abschließend: „Als im Jahre 1993 erste Vorwürfe geäußert wurden, hat das Stift konsequent im Sinne des Betroffenen gehandelt und den Beschuldigten umgehend aus dem Kloster entfernt. Wenn es zum weiteren Umgang mit diesem Fall – wie in den Medien aufgebracht – offene Fragen gibt, stehen wir nicht an, den aufgeworfenen Fragen in aller Aufrichtigkeit nachzugehen. Wir wollen jedoch auch darüberhinausgehend bestmöglich und umfassend Klarheit schaffen, um jedenfalls für die Zukunft die richtigen Schlüsse im Sinne der Prävention ziehen zu können.“

den vollständigen Artikel auf "stift-klosterberg.at" lesen


Mittwoch, 13. Dezember 2017

Bistum Würzburg: Diözese Würzburg zeigt Ruhestandspriester wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen an


Würzburg (POW) Die Diözese Würzburg hat am Mittwoch, 13. Dezember, einen Ruhestandspriester der Diözese Würzburg bei der Staatsanwaltschaft Würzburg wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen angezeigt.

Gleichzeitig informierte sie die römische Glaubenskongregation. Der Missbrauch soll sich in der ersten Hälfte der 1970er Jahre ereignet haben. Erste Hinweise auf den Missbrauch waren vom mutmaßlichen Opfer an die stellvertretende Missbrauchsbeauftragte der Diözese Würzburg, Dr. Claudia Gehring, herangetragen worden. Die Diözese Würzburg handelt damit gemäß den „Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener“ im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.

zum vollständigen Artikel auf "pow.bistum-wuerzburg.de" (Pressestelle Ordinariat Würzburg).

Dienstag, 12. Dezember 2017

Bistum Trier / Kirn: neue Aufgabe für Kirner Pfarrer




Quelle: Pfarrblatt der Pfarrei Hl. Christopherus, 12/2017 "kirchen-in-kl.de"




"Das Wirken des Pfarrers sei in der Pfarrei zuletzt von vielen Konflikten überschattet gewesen. Unter anderem (!) wurde auch der Vorwurf laut, sein Umgang mit Kindern und Jugendlichen sei unangemessen."




Quelle: "Westricher Rundschau", 14.12.2017


Möge sich jeder sein eigenes Bild von dieser Inszenierung machen.  (ca)



Dienstag, 5. Dezember 2017

Bistum Trier: Nach Absprache mit Bischof Ackermann: Kirner Priester kommt Disziplinarverfahren durch Verzichtserklärung zuvor - Künftiger Einsatzort bleibt offen

Der in der Pfarreiengemeinschaft Kirn tätige Pfarrer ist seit über einem Jahr erkrankt. Offenbar kannten viele Gläubige in der Pfarreiengemeinschaft nicht die wirklichen Hintergründe, die der 52-Jährige im aktuellen Pfarrbrief nun freimütig schildert. In seinem öffentlichen Schreiben an die Gremien und Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft ist zu lesen, es habe sich auch "körperliche Intimität mit dem Flüchtling ergeben", der Pfarrer selbst schreibt, er habe die Distanz, die seine Rolle als Priester geboten hätte, nicht gewahrt. Konkreter wird der gebürtig von der Mosel stammende Priester nicht.

In einer seinerzeit veröffentlichten Meldung der Polizei ist davon die Rede, dass bei einem tödlichen Unfall in Kirn ein 23-jähriger Fußgänger „plötzlich und unvermittelt vom rechten Gehweg aus die Fahrbahn“ betreten habe und dort von einem Auto erfasst worden sei. Der junge Mann sei schwer verletzt worden und später im Krankenhaus gestorben. - "Nach allem, was wir wissen", schreibt der Priester weiter, gebe es keinen Zusammenhang zwischen "unserem Kontakt und der Entscheidung des Mannes, sich das Leben zu nehmen". Die Gründe für den Suizid seien nach Angaben des Priesters vermutlich in der Traumatisierung des Flüchtlings zu suchen. - Belege für diese Einschätzung werden allerdings nicht genannt.

Das Bistum Trier hat nach Angaben von Sprecherin Judith Rupp im Februar „über sich verdichtende Gerüchte“ von dem Fall erfahren. Nach Gesprächen mit dem Betroffenen und der Staatsanwaltschaft hätten sich die Gerüchte bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt war laut Judith Rupp das staatsanwaltschaftliche Verfahren bereits wieder eingestellt.

Inzwischen ist nach Bistumsangaben auch das Disziplinarverfahren gegen den Priester beendet, indem er seinem Amtsverzicht zugestimmt habe. Zudem sei ihm auferlegt worden, künftig nicht mehr in der Flüchtlingsarbeit tätig zu werden, sagte Judith Rupp unserer Zeitung. 

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Montag, 4. Dezember 2017

Bistum Trier: Bischof Ackermann erneut in Erklärungsnot - Syrer sollte vor seinem Suizid noch einmal vernommen werden

Der Pfarrer schreibt, dass der 23-Jährige, der sich im vergangenen Jahr das Leben genommen hatte, ein Flüchtling aus Syrien gewesen sei, der bei ihm Hilfe wegen einer schweren Traumatisierung gesucht habe. Weiter schreibt er: „Hier hat sich schließlich eine auch körperliche Intimität ergeben, die dieser Situation nicht angemessen war.“ Er habe die Distanz, die seine Rolle als Priester geboten hätte, nicht gewahrt. „Ich habe das Vertrauensverhältnis in nicht angemessener Weise ausgenutzt.“

Offenbar sah das auch der 23 Jahre alte Syrer so: „Kurz vor seiner Selbsttötung hat der Mann Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen mich erstattet“, schreibt der Pfarrer. Diese habe das Verfahren jedoch kurz darauf eingestellt, weil kein Straftatbestand vorgelegen habe. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach bestätigte das am Montag auf Anfrage. Der 23-Jährige habe eine sehr allgemein gehaltene Anzeige wegen sexueller Aktivitäten erstattet. „Er fühlte sich wohl ausgenutzt“. Man habe ihn noch mal vernehmen wollen, dazu sei es aber nicht mehr gekommen, weil sich der Mann schon das Leben genommen hatte. „Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Pfarrer sich in irgendeiner Form strafbar gemacht hat“, sagte der Sprecher. Weder habe der 23-Jährige von Gewalt berichtet, noch habe ein Abhängigkeitsverhältnis im strafrechtlichen Sinne bestanden: „Ein Pfarrer ist rechtlich betrachtet nicht der Betreuer seiner ganzen Gemeinde.“

Auch wenn strafrechtlich kein Abhängigkeitsverhältnis besteht: Ein Seelsorger und ein hilfesuchender Mensch sind nicht gleichberechtigt, sagt die Psychiaterin Maya Schuppli-Delpy. In ihrem Vortrag zu „Sexuellen Grenzüberschreitungen in Therapie, Pflege und Seelsorge“ heißt es, wer seelischen Beistand suche, sei „a priori in einer unterlegenen, verletzlichen und abhängigen Position“ – und auf die persönliche Integrität, die Uneigennützigkeit und die Kompetenz der hilfeleistenden Person angewiesen.

„Mit dem Bischof habe ich vereinbart, dass wir über meinen künftigen Einsatz als Priester erst gegen Ende der Therapie sprechen werden.“ Eine Sprecherin des Bistums Trier bestätigt das auf Anfrage. Es habe ein persönliches Gespräch mit dem Bischof gegeben, nach dem Ende der Therapie werde man schauen, wo der Pfarrer künftig eingesetzt werde. Die Frage, warum ein Mann, der das Vertrauensverhältnis zu einem schwer traumatisierten Mann „in nicht angemessener Weise ausgenutzt“ hat, weiter für das Bistum arbeiten darf, will sie dann lieber schriftlich gestellt bekommen. Die Antwort stand am Montagnachmittag noch aus.

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Bistum Trier: ein Jahr nach Suizid von syrischem Flüchtling - Pfarrer lässt verwirrendes Schreiben veröffentlichen, welches weitere Fragen aufwirft

Heribert B., Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft Kirn, hat sich im Pfarrbrief an die Öffentlichkeit gewandt.  Er habe sich im letzten Jahr mit einem schwer traumatisierten Flüchtling aus Syrien eingelassen, der seine Hilfe und auch den persönlichen Kontakt zu ihm gesucht habe. Aus dem Vorfall wurde eine Tragödie: Der Mann begeht im Dezember 2016 Suizid. - Kurz nachdem er den Pfarrer bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hat und diese das Verfahren nicht weiter verfolgte.

"Heute möchte ich Ihnen die Hintergründe meiner Erkrankung nennen und die Konsequenzen, die sich daraus für mich ergeben.
Als vor nunmehr zwei Jahren die vielen Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hat auch unsere Pfarreiengemeinschaft mit einer bis dahin nicht gekannten Hilfsbereitschaft reagiert. Viele haben sich in der Begleitung der geflüchteten Menschen persönlich sehr engagiert. Auch ich habe mich hier eingebracht. Nach und nach sind mir dabei immer mehr Aufgaben zugewachsen und schließlich -so kann ich es heute im Rückblick sagen -auch über den Kopf gewachsen. 
In besonderer Weise hat damals ein 23-jähriger Mann aus Syrien, der durch seine Erfahrung von Krieg und Vertreibung schwer traumatisiert war, meine Hilfe und auch den persönlichen Kontakt zu mir gesucht. Hier hat sich schließlich eine auch körperliche Intimität ergeben, die dieser Situation nicht angemessen war.
In dieser Situation habe ich die Distanz, die meine Rolle als Begleiter eines geflüchteten Menschen und auch meine Rolle als Priester geboten hätte, nicht gewahrt. Ich habe das Vertrauensverhältnis in nicht angemessener Weise ausgenutzt.
Wie manche von Ihnen vielleicht wissen, hat sich dieser Mann im Dezember vergangenen Jahres das Leben genommen. Zwar gibt es nach allem, was wir wissen, keinen direkten Zusammenhang zwischen unserem Kontakt und der Entscheidung des Mannes, sich das Leben zu nehmen; die Gründe sind vermutlich in seiner Traumatisierung zu suchen. Dessen ungeachtet belastet mich die Tatsache sehr.
Kurz vor seiner Selbsttötung hat der Mann Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen mich erstattet. Diese hat das Verfahren jedoch kurz darauf eingestellt, weil kein Straftatbestand vorlag.
Dennoch bedauere und bereue ich das Vorgefallene zutiefst. Natürlich missbilligt auch unser Bischof mein Verhalten. Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen des Bistums bin ich zu der Entscheidung gekommen, als eine Konsequenz dem Bischof meinen Verzicht auf die Pfarrstelle in der Pfarreiengemeinschaft Kirn anzubieten.
Der Bischof hat diesen Verzicht inzwischen angenommen.
Ich möchte nach vorne schauen, und deshalb werde ich meine Therapie, die ich Ende November des vergangenen Jahres begonnen habe, mit einem längeren stationären Aufenthalt in einer Klinik fortsetzen. Teil dieser Therapie ist es, das Erlebte und mein Verhalten zu reflektieren und zu bearbeiten, um eine gefestigte Handlungssicherheit für die Zukunft zu gewinnen. Ich werde kommenden Freitag, am 1. Dezember 2017, meinen zweiten stationären Klinikaufenthalt beginnen.
Mit dem Bischof habe ich vereinbart, dass wir über meinen künftigen Einsatz als Priester erst gegen Ende der Therapie sprechen werden.
Mir ist es wichtig, Sie heute in dieser Offenheit zu informieren, gerade weil ich weiß, wie viele von Ihnen in den letzten Monaten an meiner Situation Anteil genommen haben.
Darüber hinaus möchte ich Sie bitten, sofern Ihnen das möglich ist, mir das Vorgefallene zu verzeihen - auch weil dadurch mein priesterliches Zeugnis verdunkelt wurde.
Für die Zukunft der Pfarreiengemeinschaft Kirn, in der ich gerne Ihr Pfarrer und Seelsorger war, und in der ich mich wohlgefühlt habe, wünsche ich allen Gottes Segen.

H. B."

Quelle: "pfarreiengemeinschaft-kirn.de"


  • "Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelte, kam aber zu dem Schluss, dass es sich um ein Verhältnis zwischen zwei erwachsenen Männern handele und weil zwischen ihnen auch kein Abhängigkeitsverhältnis bestanden habe, hätten sie die Ermittlungen gegen den Priester eingestellt." (swr.de)
  • "Pfarrer beichtet Verhältnis zu 23-jährigem Flüchtling - Kontakt endete in Tragödie"(rheinzeitung.de)
  • "Unfall in Kirn: 23-jähriger Fußgänger tödlich verletzt" (11.12.2016, rheinzeitung), " Warum der 23-Jährige unvermittelt auf die Straße trat, ist nach Angaben der Polizei noch nicht klar." (swr.de), "Verkehrsunfall mit tödlich verletztem Fußgänger" (polizei rlp)
  • "Ein Jahr später sind neue Informationen zu dem Suizid bekannt geworden: Zu finden sind sie in dem Gemeindebrief der katholischen Pfarreiengemeinschaft Kirn. Der Brief beginnt mit einem Hinweis auf die Weihnachtskollekte 2017, es folgt ein Adventsgedicht („Sehet auf, ihr, deren Blick schuldbeladen sich nicht erheben kann“), und schließlich ein persönlicher Brief des Pfarrers, der offenbar seit mehr als einem Jahr krankgeschrieben ist. Es ist eine Art Beichte, die der Mann ablegt – und mit der er auch den Verzicht auf seine Pfarrstelle erklärt." (faz.net)

Freitag, 1. Dezember 2017

Bistum Augsburg / Nördlingen: Zahl der mutmaßlich Betroffenen steigt auf fünf an

Nach den Missbrauchs-Vorwürfen gegen den bisherigen Nördlinger Stadtpfarrer haben Kirchenvertreter die Gemeinde zu einem nichtöffentlichen Gesprächsabend geladen. 

Wie berichtet, soll Paul E.  in seiner Zeit am Maristenkolleg in Mindelheim einen Jungen über mehrere Jahre immer wieder unsittlich berührt haben. Inzwischen sind dem Bistum weitere Missbrauchsfälle bekannt. Darunter ist das Opfer, das sich zunächst an die Redaktion unserer Zeitung gewandt hat. Diesen Fall, der sich in E.  Kaplanzeit ereignet haben soll, hat der Geistliche zunächst abgestritten. Generalvikar Monsignore Harald Heinrich bestätigte allerdings am Donnerstag die Vorwürfe und sagte, dass E. einen weiteren Bub in dieser Zeit sexuell missbraucht hätte. Außerdem überprüft die Staatsanwaltschaft Mindelheim im Zuge der bereits berichteten Umfeldermittlungen, ob es zwei weitere mögliche Opfer aus der Zeit am Maristenkolleg in Memmingen gibt. Diese soll  E. wohl im Gespräch mit der Missbrauchsbeautragten erwähnt haben. Insgesamt sind also bislang fünf mögliche Opfer bekannt.

Viele Gläubigen kritisierten das Bistum über die Vorgehensweise: dass der Fall E. vor dem Sonntagsgottesdienst so öffentlich gemacht worden ist, beispielsweise. Der Generalvikar entgegnete den Gläubigen, die Kirchengemeinde sollte die Nachricht als erstes vom Bischof erfahren und nicht aus der Presse. Es ginge der Kirche inzwischen „um die Wahrheit“. Er führt die Kritik aus der Bevölkerung unter anderem darauf zurück, dass allein der Begriff „sexuell missbraucht“ die Leute erschlagen hätte. „Dieses Thema klingt nie nett“, sagte er weiter.

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  • Das Bistum ruft weitere mögliche Opfer auf, sich beim Bistum, der Polizei oder der Staatsanwaltschaft Memmingen zu melden. Jetzt gelte es, sowohl auf Täterseite als auch auf Opferseite die Aufarbeitung zu unterstützen. Der Gesprächsabend in Nördlingen sei ein erster Schritt dazu gewesen, so Heinrich. Ob nochmals so ein Abend stattfinden werde, stehe noch nicht fest. Von kirchlicher Seite gehe der Fall jetzt an die Glaubenskongregation. Man erwarte dann eine Weisung, wie der Bischof weiter verfahren solle. ("br.de")

Mittwoch, 29. November 2017

Bistum Augsburg: Offenbar weitere Missbrauchsopfer von Nördlinger Pfarrer

Im Fall des ehemaligen Nördlinger Dekans gibt es offenbar weitere Missbrauchsopfer. Das teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks mit.

Der Staatsanwaltschaft Memmingen liegt offenbar ein Protokoll eines Gesprächs des ehemaligen Nördlinger Dekans mit der Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg vor. Der Priester räumt in diesem Gespräch selbst ein, dass es zwei weitere Geschädigte geben soll.

Dienstag, 28. November 2017

Luxemburg: Ehemaliger Pfarrer von Belair in zweiter Instanz verurteilt

In zweiter Instanz ist am Dienstag der ehemalige Pfarrer aus Belair zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Die Strafe wird komplett zur Bewährung ausgesetzt. In erster Instanz war der Beschuldigte noch freigesprochen worden.

Der 61-jährige Emile A. musste sich für den Vorwurf verantworten, während einer Pilgerfahrt nach Taizé (F) im Jahr 2008 einen Messdiener missbraucht zu haben. Im Dezember 2016 war der suspendierte Geistliche dafür in erster Instanz freigesprochen worden. Das Berufungsgericht kam nun aber zu einer völlig gegensätzlichen Entscheidung. Laut diesem gebe es ausreichend Beweise dafür, dass die sexuellen Handlungen zwischen dem Erwachsenen und dem Kind unter Zwang erfolgten.